Ein musikalisches Weltwunder

Alfred Schmid Nachf. · Ad in "Allgemeine Zeitung", 27.12.1905

Ein musikalisches Weltwunder. Deutschem Erfindungsgeist ist es geglückt, eine geradezu phantastisch er- scheinende Idee - ein akustisches Seitenstück zur Platte des Photo-graphen - zu verwirklichen. Die neue Erfindung ist das Reproduktionsklavier "Mignon", welches das Spiel der berühmten Meister des Klavierspiels selbsttätig und völlig getreu wiedergibt. Das Reproduktionsklavier hat nichts gemein mit mechanischen Spielapparaten wie Pianola, Phonola etc., sondern es hört die Unterscheidung zwischen dem Spiel des aufgenommenen Künstlers und der Wiedergabe des Reproduktionsklaviers überhaupt auf. Ueber die blosse Finger- fertigkeit vermag dieses Wunderklavier alles, was an der Leistung eines Künst- lers das Persönliche und Charakteristische ausmacht, zur Geltung zu bringen; es handelt sich also nicht um ein Surrogat, sondern um eine vollwertige Vertretung. Wer mit der Spielweise d'Alberts, Lamonds, Rislers, Staven-hagens etc. vertraut ist, vermag sie bei der Wiedergabe sofort zu erkennen. Wenn das Reproduktionsklavier vor 50 Jahren existiert hätte, könnten wirauch heute noch dem Spiel der grossen Meister wie Liszt, Rubinstein, Bülowlauschen und daran lernen. Von den Grossen der Gegenwart ist das Spielaber nun für die Nachwelt festgehalten; schon jetzt sind zur Reproduktionaufgenommen: Eugen d'Albert, Konrad Ansorge, Ferruccio Busoni, TeresaCarreno, Ernst von Dohnányi, Artur Friedheim, Ossip Gabrilowitsch, AlfredGrünfeld, Heinrich Grünfeld, Clotilde Kleeberg, Alexander Krah, FredericLamond, Artur Nikisch, Egon Petri, Raoul Pugno, Max Reger, Carl Reinecke, Alfred Reisenauer, Alice Ripper, Xaver Scharwenka, Artur Schnabel, JosephSlivinski, Bernhard Stavenhagen, Felix Weingartner, Karl Wendling. DasReproduktionsklavier bedeutet für die Hausmusik eine unendliche Bereiche-rung. Nicht nur, dass man in seinem Heim sich jeden Augenblick von denobengenannten Künstlern vorspielen lassen kann, wer singt oder geigt etc. wird sich sogar künstlerisch vollendet begleiten lassen können. Die Bedeutung der Erfindung ist denn auch von allen namhaften Pianisten anerkannt worden, wie nachfolgende Aeusserungen beweisen: Eugen d'Albert: Das Mignon-Reproduktionsklavier ist eine Aufsehen erregende Erfindung. Konrad Ansorge: Es ist ein ausgezeichnetes Bildungs- mittel für Konservatorien, wo den Stu- dierenden die Vortragsart eines Mei- sters zu jeder Zeit vorgeführt werden kann. Ferruccio Busoni: Mignon ist ebenso verblüffend für den Uneingeweihten, als sie für den Einge- weihten bewunderungswürdig sein muss. Teresa Carreno: Meine Bewunderung für die grossartige Erfindung kennt keine Grenzen. Ernst von Dohnányi: Man kann nur staunen und bewundern. Ossip Gabrilowitsch: Mignon ist sicher eine der wunder- barsten Erfindungen, die dem mensch- lichen Geiste gelungen sind. Alfred Grünfeld: Ich gestehe gerne, dass ich geradezu verblüfft war, als ich mit eigenen Ohren hörte, in welcher Weise Mignon die von Künstlerhand gespielten Musik- stücke wiedergibt. Vorführung des Klaviers kann einstweilen nur nach vorhergegangener Anmeldung erfolgen. Alleinvertretung bei Alfred Schmid Nachf., 33-34 Theatinerstrasse 33-34. Clotilde Kleeberg: Es scheint mir, als ob in Mignon der Spie-gel der Musikseele gefunden wäre. Frederic Lamond: Ich sehe den Mignon-Apparat als dasgrösste Wunder der Jetztzeit an. Artur Nikisch: Die Wiedergabe ist nach jeder Richtung, sowohl was das rein technisch virtuose, als auch was das musikalisch-poetische Moment betrifft, eine so verblüffend natürliche, dassman wirklich meint, den Künstler in Per- son vor sich zu sehen und ihn spielen zu hören. Raoul Pugno: In dieser Wiedergabe findet man alle charakteristischen Eigenschaften des Künst- lers, den Rhythmus, die Eleganz und Vir- tuosität im Spiel, seine Auffassung in Be- zug auf die Phrasierung und sogar die Verwendung der beiden Pedale. Alfred Reisenauer: Hier ist zugleich ein technisches und philo- sophisches Problem in vollendetster Form gelöst. Felix Weingartner: Der Mignon-Apparat ist das Unglaublichste an Vollendung, was man sich denken kann. Was grosse Meister unserer Tage leisten, kann nun nicht mehr untergehen und spä- tere Generationen werden die Früchte die- ser genialen Erfindung geniessen.

How to cite

Niels Pfeffer (ed.): “Ein musikalisches Weltwunder” (Alfred Schmid Nachf., 27.12.1905). In: Welte-Mignon Advertisements Collection, https://anz.welte225.org/ad009/.